Ursprung/Namensdeutung und urkundliche Erwähnung weiterer Orte der Gemeinde Rattenberg

Almhofen:
Herleitung von Alm (Elm), Ulme ist am wahrscheinlichsten; weder abzuleiten von Alben =Alpe, Viehweide, noch von Alm = Allmand (Gemeindebesitz an Wald und Flur).
Altwies:
Zwei Deutungen sind möglich: Altwies ist eine Wiese, die nie gedüngt und nur einmal gemäht wird (eine Wiese von etwas besserer Qualität als eine Ödung); oder: Bezug zu alt im Sinne von „vetus“ ( alt ).
Aufeld:
Siedlung an einem Wiesengrunde oder einer Bachniederung.
Baumgarten:
Wahrscheinliche Deutung mit „Baum=Bein“; in der Monumenta Boica XII, 85 steht: „Schaevbinch habet .... et silvam quandam apud Beingarten“ (auch Pavmgarten); um 1280. Im Verzeichnis der Oberalteicher Klosterzensualen von 1270 ist von einem „Rudolfus de Pongarten“ die Rede.
Boxberg:
Pokkesperch/Poksperg; auch Pochsperch, Poxperg. Der Name leitet sich ab vom ahd. Wort „boc“= Bock/Ziegenbock = caper.
Im ersten Ankunftsbuch (Verzeichnis über Klostereinkünfte Oberalteich) Anfang des 12. Jh. wird Bocksberg zum erstenmal erwähnt (MB XII, 17); weiterhin im Klosterurbar von 1430 ( Poksperg: 1 Hof ); auch die Domvogt-Familie ist in Boxberg im 12. Jh. begütert (die Witwe von Friedrich III gab vor dem Jahre 1150 ein Lehen in Boxberg an das Kloster Windberg; W. 175 n. 36).
Bremeck:
Frühere Schreibweise: premeck, Pramehk, Perneck; abzuleiten aus dem althochdeutschen: prama; mittelhochdeutsch: brame, breme und der Endung ahi, ach/eck; bramach = Brombeergesträuch.
Am 6.1.1366 wird ein Gut zu Bremeck verkauft; im Klosterurbar Oberalteich von 1430 ist Bremeck mit 1 Lehen genannt.
Bruckhof:
Hof an der Brücke ( über den Klinglbach ); um 1300 heißt es: „Brugke“; 1305 heißt es: Pruk, molendinum ( Mühle ). Im Klosterurbar Oberalteich von 1430 wird 1 Hof in Bruckhof genannt
Bühlhof:
Haus/Hof am Bühel; frühere Schreibweise auch Pichel/Puehel; 1484 verkauft ein Wilh. Penzko-fer sein Gut in „puchelhof“, das er geerbt hat und Lehen des W. Schönsteiner zu Schönstein ist. 1491 freit der Schönsteiner den Hof zu „Puehell“ zu Lehen an die Stadt Cham. Diese wiederum verkauft den Hof 1494 an Lorenz von Weidenhof; der neue Besitzer veräußert den „Puhelhof“ später an die Kirche St. Englmar.
Buglmühl:
Mühle am Fuße eines Hügels; Bugl/Buckel = kleiner Bühel; ahd: puhil; mhd: buhel (=Hügel).
Egern:
von Egerde; Weideland, ödliegendes Ackerfeld
Engelsdorf:
Engildiehesdorf, Engldinstorf; Der Name ist abzuleiten vom Personennamen Angilo, Engilo, Engildich. In einer Oberalteicher Traditionsurkunde von 1100/1104 (Urkunde 1g) überträgt Hartwich, Sohn der Adelheit, einen Hof in E. an das Kloster O. (Hartuich, filius Adalheidis, curtile unum in Engildiehesdorf
et ). Im Papstprivileg von 1274 über den Besitzstand des Klosters Oberalteich wird Engelsdorf mit 1 Gut und 2 Huben genannt, im Klosterurbar von 1430 ist vom Sitz und 1 Hof in Engelsdorf die Rede. In einer Verkaufsurkunde des Peter Chamerauer von 1366 ist von 1 Hof und 1 Sölde die Rede.
Felling ( Vorder-, Hinter- ):
Unechter „-ing“-Name; um 1300 heißt es „Veldern“ (Vorderfelling) und bedeutet: bei den Feldern. In einem späteren Urbarsverzeichnis heißt es: Undernfelling (Hinterfelling). In der ehemali-gen Hofmark Haid / Auggenbach mit einem 1/1-Anwesen der Hofmarksherrschaft angegeben.
Friedenstadl:
Stadel/Schuppen mit einem Fried(en); Frieden leitet sich ab vom mhd: der „frid“ = Zaun, Einfriedung.
Gneißen:
Mehrere Namensdeutungen sind möglich:
vom ahd nesso, genisse = Gewürm; vom tschech. Knez; mittellat. Knes = canis (Hund); von Knös ( nach Schmeller: Knabe, Bursche ); gneissen = altbayerisch: merken, ahnen; oder: „Gneis“ = Gestein (?). In einer Urkunde von 1443 werden mehrere Lehen, u.a. in Gneißen, gegeben.
Grub:
Häufig vorkommender Name; früher Grueb, Grube; bedeutet Lage in einer Geländevertiefung/Bodensenke.
Gruborte haben gewöhnlich wegen derAblage-rung der Verwitterungsprodukte guten Boden
Gschwandt ( Ober-, Unter- ):
Vom ahd swant = das Schwenden, schwinden machen des Holzes (Roden ohne Auswerfen der Baumstöcke oder7: Rodung im Wald); das Geschwand/Gschwent = der durch Schwenden zur Weide oder zum Acker gemachte Platz. 1240 heißt es „Geswant“; 1450 Nydern- und Obern Geswanten „und auf aigenem Gut zu Wiß (= Wies) und zu Grub zu Under Geswantten“. 1558 Obern schwanndt; 1571 Hindern und Obern gschwandt.
Haderhaus:
Die Namens-, Flur- und Geschichtsforscher sind sich hinsichtlich der Namensdeutung unsicher; meherere Deutungen sind möglich:
Vom slawischen hotar = Feldmark; vom keltischen cadarn = fest; Haderweg = fester Weg. Möglich ist auch eine Verbindung mit dem Personennamen „Haderich“. Eine Ableitung von Hader = Streit oder Fetzen/Lumpen erscheint eher unwahrscheinlich.
Hammersdorf:
Deutung mit dem Personennamen „ hamar“ oder „hanwart“ ist wahrscheinlich. 1240 Hanwartstorf, 1441 Hamerstorf, 1558 Hamerstorff.
Hochholz:
Die Deutung ergibt sich aus dem Namen selbst; Wald an hochgelegener Siedlung. 1492 heißt es: „am hochholtz“.
Hochwies:
Analog Deutung Hochholz;
Hubing:
Der Name bedeutet soviel wie „bei den Hubern“ = Inhaber von Huben/kleinen Gütern. Es handelt sich hier um einen sogenannten „unechten“ –ing-Namen. 1240 erhält Heinricus Zantarius für 20 Pfd. die Klostergüter zu Hubing („Hubaern“) zu Leiblehen, 1272 schlichtet Herzog Heinrich einen Streit zwischen dem Kloster Oberalteich und Friedrich von Ramsperg wegen drei Huben zu „Hubern“. Im Papstprivileg (Kloster Oberalteich) von 1274 ist „Hubaern“ mit 3 Huben, im Klosterurbar von 1430 mit 3 Höfen aufgeführt. Diese 3 Höfe waren bereits 1366 vom Chamerauer von Haidstein verkauft worden.
Irlmühl:
Nach der Erle ( Irl ) benannter Ort. Mühle bei einem Erlengehölz
Kellburg:
Der Mangel einer älteren Form erlaubt nicht zu entscheiden, ob das Bestimmungswort Kehle = Schlucht oder der mhd. Ausdruck kelle = kahle Stelle der Namensdeutung gerecht wird. Ersteres verdient den Vorzug, da der Hügel, der den Weiler trägt, im Westen und Nordwesten vom Klinglbach in engem Tale umflossen ist. Der Ort liegt zwischen den beiden Burgen Altrandsberg u. Neurandsberg. Burg steht hier wohl statt Berg.
Kriseszell:
Eine Deutung mit „Zelle des Mönches Christian“ ist anzunehmen. Schreibweisen im 13./14. Jh: Christanscelle, Christainszell, Christianiszell;lt. Apian: Criselzell. Kriseszell war einst eines von sieben dem Gericht Mitterfels unterstellten Oberämtern, dem wiederum zahlreiche Obmannschaften unterstanden. Um 1216 wird ein Zehent zu Kriseszell verpfändet, 1366 wird ein Gut zu Kriseszell verkauft. 1367 wird ein „Mertein der Gossenstorfer zu Kriseszell erwähnt.
Maierhof:
Maier hieß einst der Verwalter auf dem Hofe des Grundherrn (später auch noch lange Zeit jeder einen Hof verwaltende Bauer).
Schreibweise um 1300: „Mairhoue“.
Maulendorf:
Das Wort „maul“ versteht sich als Ableitung vom ahd Wort „muli“ = Mühle; Schreibweise um 1300: Maudorf / Maulerdorf / Mulerdorf. Im Verzeichnis der Klosterzensualen Oberalteich von 1270 sind folgende Personen als zinspflich-tig angegeben („Isti sunt censuales“ ):
Notiz 158: „ De Mulerdorf Perht, Riehgart, Hem, Albret, Heinrich „
Notiz 162: „ De Mulerdorf Bertold et filius eius, Hainrich, Bertold filius Hainrici „
Notiz 185: „ De Mulertorf Chunrat, Hainrich, Dieterich, Alhait“.
In einer Urkunde vom 5. Aug. 1312 werden zwei Höfe in Maulendorf an Oberalteich für die Erlaubnis des Begräbnisses verschenkt, im Klosterurbar von 1430 ist Maulendorf mit 1 Hof benannt.
Moosmühle:
Frühere Schreibweise: „mosmul“;
von der Lage in moorigem Wiesengrund; mhd: muos = Sumpf. Im Papstprivileg (Kloster O.) von 1274 ist von „in Mose“ (Moosmühle: 1 Mühle) die Rede; ebenso im Klosterurbar von 1430.
Neuhammer:
Ableitung des Ortsnamens von einer Hammer-schmiede.
Neurandsberg:
Benannt nach dem Adelsgeschlecht der Ramsperger von Altrandsberg;
Früher auch Ramisperg/Ramsperg. Namensableitung wahrscheinlich vom Personennamen „Hraban“ (Rabn). Apian bemerkt zu „Neuen Rambsperg“, dass in dieser hochgelegenen Burg die zu immerwährendem Kerker Verurteilten verwahrt zu werden pflegten. In einer Urkunde von 1366 wird u.a. ein Gut auf dem „Dyetmasperg“ (=Neurandsberg) verkauft.
Weiteres zur Burgruine/zum Geschlecht der Ramsperger siehe II.
Oberstein:
Oben/Hochgelegenes Gehöft bei Felsen.
Lt. Apian lag Oberstein an zwei Weihern.
Öd/Ödhof/Ödlend:
Alleinstehendes Gehöft. Lende=Gelände, also Ödland. Im Papstprivileg (Kloster O.) von 1274 ist Öd (= Ödhof) mit 1 Gut erwähnt.
1323 schenkt der Edle Hartwig von Freundorf an das Kloster O. für einen Jahrtag u.a. Besitz in Öd in Ried (=Ödhof).
Pareszell:
Frühere Schreibweise: Boracelle / Borascelle/Poracelle; Zelle des Mönchs Poran oder Paro.
1147 schenkt Domvogt Friedrich IV Güter zu Pareszell an das Kloster O. (anlässlich seines Aufbruchs zum Kreuzzug); 1184 wird Besitz in Pareszell erwähnt (tres curtes= drei Gehöfte). In einer Urkunde um 1216 verpfändet der Abt das Dorf Pareszell, um den vom Regensburger Bischof geforderten Zwanzigsten bezahlen zu können.
Räuberthal (ehem. Gemeinde Siegersdorf):
Abzuleiten vom Pers.namen „Rubo“; wohl kaum herzuleiten von Raub/Räuber.
Redlmühle (Im Riedla):
Rödeln/redln bedeutet nach Schmeller Haber (Hafer) und Gerste zu runden Kügelchen (zu Grütze) mahlen.
Renften:
Seit Jahrhunderten unveränderte Schreibweise. Bedeutung: Dativ Plural von „ranft“, mundartlich für Rand, Abhang.
Bereits 1184 in einem Schutzbrief erwähnt. Im Verzeichnis der Klosterzensualen um 1270 ist ein „Hainrich de Renften“ zinspflichtig; im Papstprivileg (Kloster O.) von 1274 ist Renften mit 1 Hof und ½ Hof , im Urbar von 1430 mit 1 Hof angegeben. Im Jahre 1310 wird ein Gut in Renften vertauscht und 1366 ein Hof und Sölde in Renften verkauft.
Riedelswald:
Riedel = Riegel; im Bayer. - und Böhmerwald sehr häufige Bezeichnung für einen langen Bergrücken, deren höchste Kuppen meist mit Felstrümmern bedeckt sind.
Schergengrub/Schirngrub:
Wohnstätte des Schergen/Gerichtsdieners.
Scherg war ehedem ein ehrbarer Name und
man an hat zum Schergen nur ehrliche, reiche und wohleingesessene Leute erwählt. 1484 auch Schirgenhofen genannt.
Schutzering (ehem. Gemeinde Siegers-dorf):
Unechter „-ing“-Name. Wahrscheinlich vom mhd Wort „schuzzelinc“ = Schößling oder von „schüzzerlinc“ = junger, aufgeschlossener Mensch abzuleiten.
Siegersdorf:
Vom Personennamen Sigo / Sigin abzuleiten;
1465 wird von Siginstorff gesprochen; Apian schreibt: Sigestorf.
Steinachern:
Der Name ist abzuleiten von Steinahi: Ort, wo viele Steine liegen. Die Endung „ern“ ist Dativ Plural einer Bewohnerbezeichnung. Die Kuppen und flachen Rücken der höchsten Erhebungen tragen fast ohne Ausnahme Massen von Urgesteinstrümmern; daher mit Stein gebildete Orts- und Flurnamen sehr häufig.
Stockhaus:
Stock bezeichnet häufig einen Baumstock (hier wahrscheinlich), oft auch einen Bildstock oder einen Grenzpfahl.
Stockmühle:
Siehe Namensdeutung Stockhaus; hier in Verbindung mit einer Mühle.
Umwagen (Ober-, Unter),
heute: Umwangen:
Im 13./14. JH: Undwagen, Untwagen, Undtwagen. Der ungewöhnliche Ortsname könnte eine Zusammensetzung sein aus dem ahd undja, aus mhd unde, lat. unda = Woge, Wasser; der zweite Wortteil „wagen“ ist bei Schmeller mit dem Wort „Wac“ = stehendes oder fließendes Gewässer in einem Graben gedeutet.
Im Verzeichnis der Klosterzensualen Oberalteich von 1270 ist ein „Wolfram de Undwagen“ zins-pflichtig. Aus einer Urkunde von 1403 geht her-vor, dass Michel zu Undtwagen sein Gut daselbst, das er von den Amtsleuten des Herzogs hat, abtritt.
Unterholzen:
Ansiedlung in versteckter Lage im Hintergrund eines kleinen Waldtales bzw. am unteren Rande bewaldeter Hänge; früher wohl rings von Wald umgeben.
Unterstein:
Analog der Deutung für Oberstein.
Vornwald:
Ansiedlung vor dem Walde; 1305 heißt es: vor dem Wald.
In der ehem. Gemeinde Elisabethszell gibt es ebenfalls einen Ort gleichen Namens. Beide Weiler liegen am unteren Rande eines langge-zogenen, waldbedeckten Bergrückens; der eine am östlichen, der andere am westlichen Abhan-ge
Wassesbühl:
Abzuleiten vom Hügel/Ansiedlung des Wazilin (Pers.name). Im Besitzstandsverzeichnis (Kloster O.) von 1274 ist „Puehel“ mit 3 Gütern aufgeführt. 1366 werden an das Kloster Sitz, Hof und Sölde verkauft. Spätere Namensbezeichnung auch Wasleinspühel ( 1432 ).
Weberhäusl:
In einsamer Lage am Fuße des Schlossberges von Neurandsberg gelegen. Häusl als Grundwort kehrt in den Namen bescheidener Wohnstätten öfter wieder; ansonsten erklärt sich der Name von selbst.
Weidenschaft:
Die Nachsilbe „schaft“ (ahd: scaft, mhd: schaft) bezeichnet Beschaffenheit/Gestalt. Weidenschaft bezeichnet demnach ein Grundstück/Gehöft, das die Eigenschaft einer Weide/Viehweide hat.
Weidenhof/Weiderhof:
Wohl abzuleiten vom ahd „wit“ = weit, ausgedehnt. In der ehem. Hofmark Au v. W. als einschichtiges ¾-Gut der Hofmarksherrschaft angegeben.
Weisholz:
Abzuleiten von der Farbbezeichnung; weiß als Flurbezeichnung in Flur- und Bachnamen sind nicht selten.
Wies:
Namensbezeichnung durch die Lage an einem vom Klinglbach durchflossenen größeren Wie-sengrunde (Wiß)
Zellwies:
Namensdeutung auf eine Wiese/Ansiedlung, die zum benachbarten Zell gehört.
Der Ort Zell wiederum ist auf die Rodungstätigkeit dortiger Ministerialen zurück zu führen.
Zierling:
Abzuleiten vom Adjektiv ziari, mhd ziere = schön, prächtig und von lar/laren = Ödung, Weideplatz.
Im Güterverzeichnis des Klosters O. von 1274 ist in „Zirlaen“ 1 Gut angegeben. 1433 heißt es Cyrlarn, 1773 wird es noch Zirlarn geschrieben.
Ziernberg:
Der Name bedeutet: Schönberg; siehe auch Deutung von Zierling: abzuleiten von ziari / ziere = schön, herrlich. Spätere Schreibweise auch Cyrenperg.
In einem Kaufvertrag von 1387 wird ein Hof zu Ziernberg um 18 Pfd. erworben; in einer weiteren Urkunde von 1403 werden die Herrschafts-rechte des Hofes zu Ziernberg an das Kloster O. verkauft.